Berufen zum Friedensjäger und zur Friedensjägerin

„Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden – einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.“ (Johannes 14,27a NGÜ). Dieses Versprechen gab Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod – mitten in einer Zeit voller Unruhen und Gewalt. Ein politischer Friede war weit und breit nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Spannungen zwischen jüdischen Gruppierungen und der römischen Besatzung führten ein paar Jahrzehnte später zur Zerstörung Jerusalems. Was also meinte Jesus mit ‚Frieden‘?

herbert2512-dog-3764825
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17 April 2026
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Beten, Leben
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Was ist Frieden?

Wie würdest du jemandem das Wort ‚Frieden‘erklären? Das Gegenteil von Krieg? Die Abwesenheit von Gewalt und Konflikten? Und was ist mit einem Waffenstillstand: Ist das schon Friede oder noch Krieg?

Das Alte Testament verwendet das hebräische Wort Schalom für Frieden. Aber der Begriff umfasst viel mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Schalom bedeutet Glück, Unversehrtheit, Sicherheit, Ruhe, Vollständigkeit, Wohlstand und Harmonie. Schalom ist ganzheitlich. Es ist eine Atmosphäre, in der das Leben aufblüht.

Ganz ähnlich ist es mit dem griechischen Wort Eirene. Es drückt Ordnung, Wohlstand und Ruhe aus. Die gleichnamige Friedensgöttin wurde von den antiken Griechen mit einem Füllhorn, dem Symbol für Reichtum und Überfluss, dargestellt.
Bis zum 5. Jahrhundert vor Christus wurde für politischen Frieden zwischen den einzelnen Stadtstaaten sogar noch andere Begriffe als Eirene verwendet. Kein Wunder: Bis ins 5. Jh. vor Christus war Krieg der Normalzustand im antiken Griechenland.

Ganz anders sah die römische Vorstellung von Frieden aus: Das lateinische Pax geht zurück auf die Wurzel pacare (unterwerfen). Die römische Friedensgöttin trug darum auch Zeichen des Sieges: Lorbeer, Lanze, Helm und Schild. Pax ist Friede als Folge der Unterwerfung. Ein Friede, der durch Schwert und Gewalt gesichert wurde.

Friede oder Schwert?

Aber moment mal: Friede und Schwert – das erinnert mich an ein anderes Jesuswort aus Matthäus 10,34 (NGÜ):

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“

Wie sollen wir das jetzt einordnen? Bringt Jesus nun Frieden oder nicht? Oder bringt er etwa, so wie die Römer, Friede durch das Schwert?

Ich bin dieser Frage nachgegangen und habe ich mich auf die Suche nach dem Begriff Schwert (griech. Machaira) im Neuen Testament gemacht. Das Wort wird 29-mal genannt, meistens direkt in der gegenständlichen Bedeutung als Waffe. Simon Petrus benutzt beispielsweise eine Machaira als er im Garten Gethsemane das Ohr von Malchus abhaut (Johannes 18,10) und Jakobus wird durch eine Machaira hingerichtet (Apostelgeschichte 12,2).
An anderen Stellen wird der Begriff im übertragenen Sinn verwendet: Römer 13,4 nennt das Schwert als Symbol für die Ausübung des Rechtes durch die politischen Machthaber und Machthaberinnen.
Eine dritte Bedeutung finden wir in Epheser 6,17 und Hebräer 4,12. In diesen Versen wird das Schwert als Symbol für Gottes Wort verwendet. Wie ein zweischneidiges Schwert dringt es durch alle Schichten und ‚scheidet Seele und Geist‘. Die Worte Gottes bewirken also eine Art Trennung: dafür oder dagegen (vgl. Lukas 11,23). Die Botschaft von Jesus provoziert und trennt – selbst im engsten Familienkreis. Genau das gibt Jesus seinen Jüngern in Matthäus 10 zu verstehen: „Meine Botschaft ist so provokativ, dass sie zwangsläufig zu Streit und Konflikt führen wird.“ Jesus ist total ehrlich zu seinen Jüngern. Keine beschönigenden Worte, kein Relativieren.

Auf in den Kampf?

Was bedeutet das also für uns? Sollen wir nun zum Schwert greifen und anderen Gottes Wort um die Ohren hauen?
Auf keinen Fall! Konflikt und Auseinandersetzungen sind logische Konsequenzen von Gottes Botschaft, aber niemals das Ziel. Jesus hat seine Jünger nicht dazu aufgefordert, Streit zu suchen. Vielmehr ruft die Bibel uns immer und immer wieder dazu auf, dass wir Frieden anstreben sollen. Die Suche nach Frieden ist ein Zeichen von Weisheit (Sprüche 3,17 und Jakobus 3,17). Gott verspricht den Friedfertigen seinen Segen (Matthäus 5,9). Hebräer 12,14 fordert uns dazu auf, dem Frieden nachzujagen. Wir sind dazu berufen, Friedensjäger und -jägerinnen zu sein.

Dem Frieden nachjagen

Was bedeutet das für unseren Alltag? Die Schweiz gehört doch bereits zu den 10 friedlichsten Ländern der Welt. Können wir also zurücklehnen und geniessen?

Leider wird auch ohne Waffen in der Schweiz allzuoft scharf geschossen, zum Beispiel im Internet. So manch einer und eine lässt sich von der (scheinbaren) Anonymität zu Aussagen hinreissen, die er oder sie im ‚echten‘ Leben so nie machen würde. Auch bei Sportveranstaltungen und Demonstrationen geht es zuweilen alles andere als friedlich zu. Und wenn wir ein bisschen mehr in unseren Alltag hineinzoomen, zeigen sich ganz viele kleine Szenen des Un-Friedens: Wie war das nochmals mit der Nachbarin, den du wegen eines längst vergangenen Streites nicht mehr grüsst? Oder der Junge, der an eine andere Schule wechselt, weil er gemobbt wurde. Die Familie, die wegen eines Streites in eine andere Kirche gewechselt hat?

Frieden? Pax vielleicht – aber Schalom?

Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgefordert, uns für Frieden einzusetzen – für einen ganzheitlichen Schalom; für eine Atmosphäre, in der Menschen aufblühen können, sowohl im grossen weltpolitischen Rahmen als auch im ganz gewöhnlichen Alltag. Und ja: Eine Jagd ist kein Spaziergang. Dem Frieden nachzujagen, ist ganz schön anstrengend. Ganz ehrlich: Ich sehe da schon das eine oder andere, was ich bei mir noch verbessern könnte…

  • Wie gehe ich mit Kränkungen um? Ziehe ich mich zurück oder suche ich das Gespräch?
  • Was ist mein Ziel in Diskussionen? Will ich recht haben oder bin ich offen, dazuzulernen?
  • Was bewirken meine Worte (on- und offline!)? Führen sie Menschen in den Dialog und in die Gemeinschaft? Oder vertiefen sie bestehende Gräben?

„Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ (Römer 14,19 LUT).

 


 

Die Autorin: Sonja Meier ist beim Bibellesebund Schweiz (BLB) zuständig für die Kommunikation. Der BLB ist eine christliche Non-Profit-Organisation, die Menschen dazu ermutigt, Gott durch das Lesen der Bibel und das Gebet zu begegnen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit Gemeinden und Landeskirchen unterschiedlicher Denominationen.

www.blb.ch

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