Die Trommeln, die den Wettlauf um die Aufrüstung ankündigen, sind ohrenbetäubend und werden immer lauter. Auch in der Schweiz ist dieser Trend politische Realität: Ende 2024 beschloss das Parlament, die Militärausgaben zwischen 2025 und 2028 um 4 Milliarden Franken zu erhöhen, mit dem Ziel, bis 2032 ein Budget in der Höhe von 1 % des BIP zu erreichen.[1]
Wir alle wollen eine sicherere Welt, aber wo liegt wahre Sicherheit? In Wirklichkeit erfordert eine sicherere Welt für alle Investitionen in die persönliche Sicherheit aller durch Gesundheit, Bildung und humanitäre Hilfe.
Unter Donald Trump und Elon Musk wurde die USAID im Februar 2025 von einem Tag auf den anderen aufgelöst. Als Reaktion auf den Aufruf der Trump-Regierung nach einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben folgten die meisten europäischen Länder dem Beispiel und kürzten ihre öffentliche Entwicklungshilfe, um stattdessen ihre Rüstungsausgaben zu erhöhen. In diesem Sinne hat Grossbritannien sein Hilfsbudget um 40 % gekürzt.[2] In Frankreich wurden die Budgets durch fünf aufeinanderfolgende Kürzungen innerhalb von zwei Jahren um 58 % reduziert.[3] In Deutschland, dem zweitgrössten Unterstützer der Schwellenländer nach den Vereinigten Staaten, wurde das Hilfsbudget zwischen 2024 und 2025 um 53 % gekürzt.[4] Und auch in der Schweiz wurden erhebliche Kürzungen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit beschlossen: 110 Millionen Franken für 2025 und 321 Millionen für den Zeitraum 2026-2028.
Die menschlichen Kosten der militärischen Illusion
Dies ist eine drastische Kürzung, während der weltweite Hilfsbedarf explodiert: Mehr als 123 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht und 673 Millionen leiden Hunger. Eine in The Lancet veröffentlichte Studie schätzt, dass diese Einsparungen bei der Entwicklungshilfe bis im Jahr 2030 22,6 Millionen Menschen das Leben kosten werden, darunter 5,4 Millionen Kinder unter 5 Jahren.[5] Das sind 22 Millionen zusätzliche Todesfälle, die vermeidbar wären! Während die Verteidigungsbudgets steigen und Waffen ungenutzt in Lagern horten, hat humanitäre Hilfe eine unmittelbare und lebensrettende Bedeutung.
Die Erhöhung der Verteidigungsbudgets ist oft ein Vorbote des Krieges und nicht des Friedens. General James Mattis, ehemaliger Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, warnte 2013, dass er „mehr Munition kaufen müsste”, wenn Diplomatie und Hilfe reduziert würden.[6] Tatsächlich erfordert echte Sicherheit mehr als nur militärische Macht: Sie erfordert Stabilität, Vertrauen und verlässliche Partnerschaften.
Die Folgen der Budgetkürzungen
Tim Costello, Direktor von Micah Australia, besuchte vor einigen Monaten die Grenze zwischen Thailand und Myanmar. Dort traf er auf unzählige Flüchtlinge, die Opfer der gnadenlosen Luftangriffe der Junta auf die eigene Zivilbevölkerung mit russischen und belarussischen Bomben geworden waren. Die Armee führte am 1. Februar 2021 einen Staatsstreich durch, nachdem Aung San Suu Kyi 2020 mit grosser Mehrheit zur Regierungschefin wiedergewählt worden war. Hunderttausende Menschen traten von ihren Regierungsämtern zurück, um sich dem Widerstand anzuschliessen, und unzählige flohen.
Zivilgesellschaftliche Organisationen wurden auf eine schwarze Liste gesetzt und viele ihrer Führungskräfte inhaftiert. Heute sind 3,5 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht und 22 Millionen Burmesen und Burmesinnen benötigen dringend humanitäre Hilfe, da das Gesundheits- und Sozialsystem zusammengebrochen ist.
Mit der Einstellung der USAID-Hilfe versiegte schliesslich die begrenzte medizinische Hilfe, die diese bedürftigen Gemeinschaften zuvor noch erreicht hatte. Damit fallen Impfstoffe und Behandlungen gegen Tuberkulose, Malaria und HIV weg. Es war auch die USAID, welche die karenischen Geflüchteten in den neun Lagern an der thailändischen Grenze mit Lebensmitteln versorgte. Ab dem 31. Juli 2025 wurden die neun Flüchtlingslager geschlossen, wodurch 108.000 Geflüchtete ohne Nahrung und ohne das Recht, in Thailand zu arbeiten, zurückbleiben. Das von einem Australier geleitete Thai Border Consortium konnte die Lücke, die USAID hinterlassen hat, nicht füllen, da auch die europäischen und britischen Geberländer ihre Hilfe gekürzt haben. Damit kam es in dieser Region zu einer totalen humanitären Katastrophe.
Die Entscheidungen der Geberländer in Bezug auf die Verteidigungsausgaben ziehen gegenwärtig katastrophale humanitäre Folgen mit sich. Die Priorisierung kurzfristiger Haushaltsüberlegungen zum Leidwesen des verfassungsmässigen Auftrags zur Bekämpfung der Armut hat schwerwiegende Folgen für die ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt.
Auf dem Weg zu echter Sicherheit
Wahre Sicherheit erfordert Stabilität, Vertrauen und verlässliche Partnerschaften. Investitionen in Gesundheit, Bildung und humanitäre Hilfe sind nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern eine lebenswichtige Investition in eine sicherere Welt. Anstatt militärische Sicherheit und internationale Zusammenarbeit gegeneinander auszuspielen, sollte die Schweiz ihrer humanitären Tradition folgen und in ein umfassendes Sicherheitsverständnis investieren, das auch die Bekämpfung der Armut und den Klimaschutz miteinschliesst.
Angesichts der weltweit steigenden Militärbudgets und den anderseits drastischen Kürzungen, welche die internationale Zusammenarbeit bedrohen, wird der biblische Aufruf zur Grosszügigkeit zu einem Akt prophetischer Gerechtigkeit. Gemäss der Aufforderung in Micha 6 Vers 8, «Gerechtigkeit zu üben und Barmherzigkeit zu lieben», sind die Kirchen aufgerufen, «Schwerter zu Pflugscharen» zu machen, indem sie in Leben statt in Waffen investieren. StopArmut ruft Kirchen sowie Christinnen und Christen dazu auf, ihre Spendengewohnheiten zu überdenken, um die internationale Zusammenarbeit zu unterstützen. Dies bedeutet eine klare Haltung, um die Ablehnung von Gewalt als Lösung zu signalisieren und sich dafür zu entscheiden, in dauerhaften Frieden und eine blühende Schöpfung zu investieren.
Autorinnen und Autoren: Salomé Richir-Haldemann, Koordinatorin von StopPauvreté, mit Beiträgen von Tim Costello, Direktor von Micah Australia und Autor des Artikels „OP-ED: Bigger Defence Budgets Are More Often a Prelude to War, Not Peace”[7]  Dieser Beitrag wurde mit Genehmigung des Autors übernommen.
Titelbild: Relief am Eingang des Kulturzentrums der spanischen Streitkräfte in Madrid. Foto von Luis García, über Wikimedia Commons.
[1] Kristina Lanz, «Politik der starken Männer auf Kosten der Schwächsten», Alliance Sud, abgerufen am 23. Febraur 2026, https://www.alliancesud.ch/fr/rearmement-au-lieu-de-developpement-politique-au-detriment-des-plus-faibles.
[2] «UK Aid Cuts Now Deeper than the US After Congress Pushes Back», Center For Global Development, abgerufen am 23. Februar 2026, https://www.cgdev.org/blog/uk-aid-cuts-now-deeper-us-after-congress-pushes-back.
[3] „Budget 2026 : le gouvernement frappe encore, la solidarité internationale à l’agonie“, Coordination SUD, ohne Datum, abgerufen am 23. Februar 2026, https://www.coordinationsud.org/communique-de-presse/budget-2026-le-gouvernement-frappe-encore-la-solidarite-internationale-a-lagonie/.
[4] Jesse Chase-Lubitz, „Germany Overhauls Foreign Office amid Major Humanitarian Budget Cuts“, Devex, abgerufen am 23. Februar 2026, https://www.devex.com/news/sponsored/germany-overhauls-foreign-office-amid-major-humanitarian-budget-cuts-111491.
[5] Andrea Ferreira Da Silva et al., „Impact of Two Decades of Humanitarian and Development Assistance and the Projected Mortality Consequences of Current Defunding to 2030: Retrospective Evaluation and Forecasting Analysis ”, The Lancet Global Health, abgerufen am 23. Februar 2026, https://doi.org/10.1016/S2214-109X(26)00008-2.
[6] „Heed General Mattis’ Warning, D.C.: Less Diplomacy Means ‘More Ammunition’ “, abgerufen am 23. Februar 2026, https://www.forbes.com/sites/andrewtisch/2025/06/18/heed-general-mattis-warning-dc-less-diplomacy-means-more-ammunition/.
[7] Tim Costello, „OP-ED: Bigger Defence Budgets Are More Often a Prelude to War, Not Peace”, Micah Australia, 14. Juli 2025, abgerufen am 23. Februar 2026, https://www.micahaustralia.org/news/op-ed-bigger-defence-budgets-are-more-often-a-prelude-to-war-not-peace/.


