Finanzplatz-Initiative: Kein Geld für die Zerstörung von Lebensgrundlagen

Die «Initiative für einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Schweizer Finanzplatz» fordert, dass alle Teilnehmenden im Schweizer Finanzmarkt (Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter, Pensionskassen usw.) ihr Geld im Ausland so anlegen und vergeben, dass die internationalen Klima- und Biodiversitätsziele gestützt werden. Im Rahmen der Trägerschaft von Christ:innen für Klimaschutz unterstützt StopArmut die Initiative.

SHARE
Finanzplatzinitiative
|
23 Februar 2026
|
Leben, Mitbestimmen

Die Stellungnahme stammt von den Christ:innen für Klimaschutz, bei denen StopArmut als Trägerorganisation dabei ist.

Der Schweizer Finanzplatz ist weltweit sehr wichtig: Ein Viertel des gesamten globalen Vermögens wird in der Schweiz verwaltet. Gleichzeitig verursacht die Schweizer Finanzbranche etwa 14- bis 18-mal so viel Treibhausgasemissionen wie die Schweiz selbst¹ – weil Schweizer Banken und Versicherungen im Ausland umweltschädliche Aktivitäten finanzieren. Ziel ist ein Schweizer Finanzplatz, der die Klimakrise nicht verschärft, sondern zu einer ökologisch nachhaltigen Weltwirtschaft beiträgt.

Dazu fordert die Initiative eine einzige Einschränkung: Schweizer Finanzmarktteilnehmende dürfen keine neuen Finanzierungs- und Versicherungsdienstleistungen zur Erschliessung und Förderung fossiler Energievorkommen erbringen. Die Bestehenden müssen mittels Transitionsplänen schrittweise abgesetzt werden.

Die Koalition Christ:innen für Klimaschutz unterstützt die Initiative

1. Weil die Initiative gerechtes und ökologisches Handeln fordert.

Schweizer Finanzinstitute (Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter, Pensionskassen usw.) finanzieren umweltschädliche Projekte im Ausland: beispielsweise die Abholzung von Regenwäldern und Kohleabbau. Das führt zu hohen globalen CO2-Emissionen und zu massivem Biodiversitätsverlust. Die Koalition setzt sich dafür ein, dass jede wirtschaftliche Handlung die Würde aller Menschen und der Schöpfung achtet. In der Enzyklika Laudato Si’ (2015) betont Papst Franziskus die «integrale Ökologie». Das heisst, Umwelt, Gesellschaft und Spiritualität sind miteinander untrennbar verbunden. Eine Finanzpolitik, die der Erde Schaden zufügen, widerspricht diesem Grundsatz. In Laudate Deum (2023) zeigt Papst Franziskus zudem auf, dass die Klimakrise eine Frage der Menschenrechte und der menschlichen Würde ist.

Finanzielle Unterstützung von Projekten, die weiterhin auf fossile Energie setzen, gefährden diese Grundsätze. Diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben (beispielsweise indigene Bevölkerungsgruppen), tragen die grösste Last. Eine gerechte Finanzpolitik kann langfristig dazu beitragen, diese Ungleichheit zu beheben.

2. Weil der Finanzsektor eine enorm grosse Gestaltungsmacht besitzt.

Die Christ:innen für Klimaschutz verlangen auch von Banken und Versicherungen verantwortungsvolles Handeln: Wir wohlhabenden Länder und Akteur:innen tragen Verantwortung für ärmere Länder und Regionen. Der Finanzsektor hat dabei grosse Gestaltungsmacht: Durch gezielte Lenkung des Kapitals kann er den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen. Bei Annahme der Initiative erstellen Finanzakteur:innen künftig Transaktions- und Investitionspläne («Transitionspläne»), die öffentlich geprüft werden. Bei ungenügenden Transitionsplänen können Finanzakteur:innen sanktioniert werden.

3. Weil in der Umsetzung der Initiative langfristige Klimaziele über kurzfristigen Profit gestellt werden.

Das Ziel unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik muss das Gemeinwohl und die Bewahrung der Schöpfung sein, nicht allein finanzieller Erfolg. Die Investitionen in fossile Energie haben
langfristig verherende Auswirkungen. Sie zeigen sich in extremen Wetterereignissen, klimabedingter Migration und Entfachung regionaler und weltweiter Konflikte.

 

Die Koalition «Christ:innen für Klimaschutz» ruft alle Kirchgemeinden, kirchliche Verwaltungen und Pfarreien dazu auf, ihre Finanzanlagen zu überprüfen, um diese an Nachhaltigkeitskriterien² auszurichten oder ihre Investitionen schrittweise in nachhaltige Finanzanlagen zu verlagern. Die Koalition «Christ:innen für Klimaschutz» unterstützt die Unterschriftensammlung.

Getragen wird «Christ:innen für Klimaschutz» unter anderem von den Organisationen AKU (Arbeitsgemeinschaft Klima, Energie und Umwelt), Fastenaktion, Grüner Fisch, HEKS, oeku Kirchen für die Umwelt, StopArmut, femmes protestantes und Frauenbund Schweiz.

 

Links

 


¹ Quelle: Felix Wenger und Marco Ziegler (2022): Klimastandort Schweiz. McKinsey&Company. URL: https://www.mckinsey.com/ch/our-insights/klimastandort-schweiz (aufgerufen 12.1.2026).

² WWF Schweiz (2026): Sustainable Finance – Nachhaltige Finanzflüsse fördern. URL: https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/sustainable-finance-nachhaltige-finanzfluesse-foerdern (aufgerufen am 12.1.2026).

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden

ähnliche Beiträge

Avancer vers la paix

Die Mächtigen können den Frieden nicht mit Gewalt erzwingen. Aber wir können ihn in unserem kleinen Rahmen jeden Tag gestalten, indem wir unsere Schwerter zu Pflugscharen umschmieden – eine 3000 Jahre alte biblische Vision, die erstaunlich aktuell bleibt.

20 Mai 2026
Prov. Flyer

Am 31. Oktober 2026 findet im Zwinglihaus in Basel die 17. StopArmut Konferenz statt. Unter dem Thema "Arme Welt – Wie weiter? Wie globale Armut uns prägt und wir gemeinsam dagegen aufstehen können" wollen wir uns Fragen der globalen Armutsbekämpfung annehmen. Im Jahr 2015 verabschiedeten 193 Staaten gemeinsam die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Im Zentrum steht SDG 1: Keine Armut, mit dem ambitionierten Ziel, Armut in all ihren Formen weltweit zu beenden – bis 2030. Heute stellt sich die Frage: Was ist aus diesem gemeinsamen Aufbruch gegen die Armut geworden? Was bedeutet es, in einer zunehmend komplexen und unsicheren Welt verantwortungsvoll zu handeln, für eine gerechtere Zukunft für alle?

14 Mai 2026
herbert2512-dog-3764825

„Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden – einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.“ (Johannes 14,27a NGÜ). Dieses Versprechen gab Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Tod – mitten in einer Zeit voller Unruhen und Gewalt. Ein politischer Friede war weit und breit nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Spannungen zwischen jüdischen Gruppierungen und der römischen Besatzung führten ein paar Jahrzehnte später zur Zerstörung Jerusalems. Was also meinte Jesus mit ‚Frieden‘?

17 April 2026
Melde dich für unseren Newsletter an