Hinweis: Das Material startet mit einem Icebreaker, gefolgt von Impuls und Reflexion. Der Ablauf ist flexibel und für Andacht oder Predigt ganz oder in Teilen einsetzbar.
Icebreaker:
WETTEN DASS …?
- 25 Minuten
Ziel: Wettkampf & Wette: Wer löst die Aufgabe besser?
Impuls: Wetten, dass ich schneller, geschickter, cleverer bin als du? Unsere Welt dreht sich um Vergleich und Wettbewerb – von der Schule bis zur Wirtschaft.
Material: Aufgabenkarten, Material je nach Wette
Teilnehmende: mind. 6
Aufgaben: Die Gruppe wird in zwei Teams eingeteilt, um gegeneinander anzutreten:
Ablauf:
Zwei Teams treten gegeneinander an:
- Wetten, dass du nicht 5 Kekse essen und danach pfeifen kannst?
- Wetten, dass du nicht 8 von 10 Füßen blind erkennst?
- Wetten, dass ihr keinen Bauklötzchen-Turm transportieren könnt, ohne ihn umzuwerfen?
- Wetten, dass du in 1 Min. keine 500 Papiertücher einzeln ziehst?
- Wetten, dass ihr Gummibärchen nicht in 40 Sekunden nach Farben sortiert?
- Wetten, dass du 2 Min. kein Lied mit Wasser im Mund gurgeln kannst?
Reflexion:
Kurzfristige Rankings zählen oft mehr als langfristige Entwicklung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten in ihren Gaben, ihrer Neugier und Begeisterung gefördert werden – als Teil eines grösseren Ganzen. Ziel ist nicht nur der eigene Aufstieg, sondern der Einsatz der eigenen Stärken zum Wohl aller.
Fragen:
- Was müsste geschehen, dass wir eine Welt vorfinden, in der wir wirklich leben wollen?
- Wie können wir sie mitgestalten?
Impuls: Systemwandel
Systemwandel - Ermutigen und stärken anstatt vergleichen und übertrumpfen
Wir alle sind Teil von Systemen: Familie, Schule, Demokratie oder von Künstlicher Intelligenz. Doch was bedeuten es aber für uns, Teil eines Systems zu sein?
Wer das grosse Ganze betrachtet, erkennt: Es gibt viele miteinander verbundene Faktoren. Viele Handlungen ziehen andere Konsequenzen mit sich. Was du tust, hat Auswirkungen auf andere. Kaufst du zum Beispiel ein T-Shirt von einem Modeunternehmen, das rücksichtslos mit Menschen und Umwelt umgeht, unterstützt du genau dieses Verhalten.
Zu erkennen, dass deine Entscheidungen mehr bewirken, als du denkst, kann erst mal erschreckend sein – aber es kann auch Mut machen. Denn es zeigt, wie viel Einfluss wir tatsächlich haben. Mit anderen Worten: Du bist wichtig!
Lasst uns gemeinsam fragen: Welche Systeme prägen uns? Und welchen Wandel braucht es?
Unsere Welt ist geprägt von Vergleich und Wettbewerb. In Schule, Beruf und Gesellschaft zählt oft nur das Ranking: besser vs. schlechter, höher, vs. tiefer. Formate wie Germany’s Next Topmodel sagt, was „schön“ ist. (Pech für alljene, die nicht so aussehen.) Dabei wiegen kurzfristige Erfolge oft mehr als nachhaltige Entwicklung.
Vielleicht kennst du das noch aus der Schule. Deine Lehrererin oder dein Lehrer reduziert dich vor allem auf die Fächer Mathe, Deutsch und Französisch, nur weil diese entscheidend sind, ob du ins Gymnasium kommst oder nicht. Oder vielleicht erlebst du eine Reduzierung deiner Person in unserer Jugendarbeit (was wir natürlich nicht wollen).
Dieses Muster des Vergleichs ist nicht neu – schon ganz früh in der Bibel begegnen wir ihm. Hören wir diese traurige Geschichte von zwei Brüdern:
3 Nach einiger Zeit brachte Kain dem HERRN eine Gabe von den Früchten des Erdbodens dar;
4 auch Abel brachte eine dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der HERR schaute auf Abel und seine Gabe,
5 aber auf Kain und seine Gabe schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich.
6 Der HERR sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick?
7 Ist es nicht so: Wenn du gut handelst, darfst du aufblicken; wenn du nicht gut handelst, lauert an der Tür die Sünde. Sie hat Verlangen nach dir, doch du sollst über sie herrschen.
8 Da redete Kain mit Abel, seinem Bruder. Als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen Abel, seinen Bruder, und tötete ihn.
1. Mose 4,3-8
Einen Vergleich zu ziehen, wie es Kain tat, entsteht ganz rasch. Wir messen unser Können und Nicht-Können an anderen: Wenn wir unsere Stärken mit den Schwächen der anderen vergleichen werden wir Arrogant. Wenn wir unsere Schwächen mit den Stärken der anderen vergleichen, entwickelt sich ein Minderwertigkeitsgefühl. Statt uns an dem zu freuen, was wir haben und sind, werden wir neidisch, unzufrieden oder arrogant.
Vergleichen scheint menschlich: Wer sieht besser aus? Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit? Wer wird öfter eingeladen? Plötzlich können wir zum Beispiel die eine Einladung nicht mehr genießen, bloß weil jemand anderes öfters eingeladen wurde.
Diese Bürde des Vergleichens tragen wir alle in uns. Unser Status definiert sich oft im Vergleich. Schon in der Schule beginnt der Wettkampf: Nicht die Vielfalt der Talente und die Neugier stehen im Fokus, sondern wer besser abschneidet. Doch Bildung sollte mehr sein – sie sollte uns befähigen, unsere Gaben für andere einzusetzen. Oder christlich gesprochen: Bildung sollte uns dazu befähigen, einander zu dienen.
Systemwandel - Natur feiern anstatt zerstören
Viele Menschen haben den Bezug zur Natur verloren und erleben die Jahreszeiten kaum bewusst. Ein Beispiel: Bereits im Januar oder Februar können wir Erdbeeren essen – dabei wachsen sie in unserer Region erst Monate später.
Leider ist das Wissen um die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt bei vielen Menschen verloren gegangen. In der Schule lernen wir vielleicht durch hartes Arbeiten das Insekten irgendwie einen Mehrwert haben und nicht nur lästige Dinger sind. Das ist aber vor allem ein kognitiver Zugang zur Natur. Der ist gut und wichtig. Der reicht aber nicht aus, denn viele Menschen sind mit der Natur kaum mehr körperlich verbunden. Sie erleben und sind nicht mehr mit der Natur z.B. durch Ansähen und Ernten verbunden. Das führt dazu, dass wir die Natur und Schöpfung vor allem als Lernstoff lernen, nicht aber weil wir in sie eintauchen.
Im Schöpfungsbericht im 1. Mose lesen wir nicht bloss von einem unpersönlichen System, vielmehr von Menschen und Tieren, die miteinander in Beziehung standen:
19 Gott, der HERR, formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name sein. 20Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.
1. Mose 2,19-20a
Christlich betrachtet benötigen wir eine Erneuerung der Schöpfungsspiritualität: Neue Freude an der Schönheit und der Vielfalt der Schöpfung. Es geht um das Zurückfinden des Menschen in seine ureigene Mitverantwortung und Fürsorgepflicht für diese Erde.
Systemwandel - Gemeinsam anstatt einsam
Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Welt verändern.“
– afrikanisches Sprichwort
Die grossen globalen Herausforderungen wie Hunger oder Ernährungsknappheit brauchen kreative Ideen und Initiativen vieler Menschen vor Ort. Oft entstehen gerade in wenig beachteten Ecken der Welt neue Wege und Vorbilder, die zeigen: „… und es geht doch!“ (ohne unseren Anteil runterzuspielen).
Lokale Gemeinschaften machen es vor – sei es durch bewusstes und faires Einkaufen, nachhaltiges Arbeiten oder verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. In Städten können das Urban-Gardening-Projekte, Mahnwachen gegen Armut, Tierschutzvereine oder soziale Initiativen sein. Kleine Impulse setzen große Veränderungen in Gang.
Vertiefung:
Befreit – Klopapiermumie
- 15 Minuten
Ziel: Gefangenschaft und Befreiung spürbar machen.
Impuls: Die „Mumie“ steht für Unterdrückung. Der Ausbruch symbolisiert Befreiung.
Material: Klopapier, Eddings
Teilnehmende: Beliebig
Ablauf:
- Eine Person wird mit Klopapier eingewickelt.
- Auf die „Mumie“ schreiben die anderen Begriffe zu Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Welche Wörter, welche „Bewertung“ ist für dich unterdrückend?
- Die „Mumie“ reißt das Klopapier ab – der Moment der Befreiung.
Reflexion:
- Wie fühlt es sich an, „gefangen“ zu sein?
- Wie war der Moment der Freiheit?
- Was löst es in mir aus, anderen bei ihrer Gefangenschaft zuzusehen? Was löst es bei mir aus, wenn die verschiedenen „Bewertungen“ abfallen?
Wie umwerfend stark Gerechtigkeit im Alten Testament verstanden wurde, findest du hier
Grundidee in Anlehnung an Micha Deutschland (Just People Youth).
Ausarbeitung der Lektionen: StopArmut & Mr. Jugendarbeit.