StopArmut Konferenz am 31. Oktober 2026
im Zwinglihaus Basel

Arme Welt - Wie weiter?

Wie globale Armut uns prägt und wir gemeinsam dagegen aufstehen können.

«Während ich dies schreibe, im November 1971, sterben Menschen in Ostbengalen an Mangel an Nahrung, Obdach und medizinischer Versorgung. (…) Die Entscheidungen und Handlungen von Menschen können dieses Leid verhindern. Leider haben die Menschen die notwendigen Entscheidungen nicht getroffen.»[1] Mit diesen Worten prägte der Philosoph Peter Singer 1972 sein einflussreichstes Werk Famine, Affluence and Morality. Aus utilitaristischer Perspektive argumentiert er, dass wenn wir die Möglichkeit haben, Leid zu verhindern, wir moralisch verpflichtet sind, dies zu tun, auch über unser unmittelbares Umfeld hinaus.

Dieselbe Überzeugung, dass „mehr möglich ist“, fand 2015 ihren politischen Ausdruck: 193 Staaten verabschiedeten gemeinsam und einmütig die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Im Zentrum steht SDG 1: Keine Armut, mit dem ambitionierten Ziel, Armut in all ihren Formen weltweit zu beenden – bis 2030. Die Vision war klar, der Konsens historisch.[2]

Tatsächlich ist die extreme Armut seit 1990 stark zurückgegangen. Doch die Fortschritte geraten ins Stocken. Pandemie, Kriege, Inflation und Klimakrisen verschärfen die Situation erneut. Heute leben noch immer rund 808 Millionen Menschen in extremer Armut. Gleichzeitig steigt der Hunger wieder an und hat ein Niveau erreicht, das zuletzt um 2005 beobachtet wurde. Die Weltbank fordert deshalb eine deutliche Intensivierung der Bemühungen. [3]

Doch dass die Staaten aktuell kein besonders grosses Interesse an verstärktem Effort zur Bekämpfung von Armut weltweit haben, zeigt sich darin, dass weltweit und auch in der Schweiz die Entwicklungszusammenarbeit zunehmend unter Druck gerät und politische Prioritäten sich etwa zugunsten steigender Verteidigungsausgaben verschieben.[4] [5] Welche Folgen hat das für Hilfswerke und für Menschen in Armut weltweit?

Gleichzeitig scheint auch die moralische Dringlichkeit, wie sie Singer formulierte, an Kraft zu verlieren. Bilder von Armut und Leid sind allgegenwärtig, oft fühlen wir bei Ihrem Anblick beides: tiefer Schock und gleichzeitig eine noch viel grössere Normalität, weil uns die Bilder längst vertraut sind, obwohl wir intuitiv wissen, dass diese Realität nicht «normal» sein sollte.

Demgegenüber steht nämlich eine biblische Verheissung: Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken. Johannes 10.10.

Dieses Leben in ganzer Fülle umfasst alle Aspekte des Menschseins: Sein, Haben, Tun und Interagieren. Es ist zutiefst relational gedacht.[6]  Interessant ist dabei ein Blick auf die Wortwurzel von «arm»: so wird der Ursprung entweder im germanischen arƀma– oder im griechischen erḗmos (ἐρῆμος) vemutet, die beide die Bedeutung von vereinsamt/verlassen tragen.[7] Armut hat also in diesem Sinne mit Beziehungslosigkeit zu tun. Diesen Ansatz nehmen wir auch in der Bibel wahr: Armut ist Ausdruck zerbrochener Beziehungen: zu Gott, zu anderen Menschen, zu uns selbst und zur Schöpfung. Ungerechtigkeit und Not sind Symptome dieser grundlegenden Trennung. Gleichzeitig zieht sich Gottes Herz für die Armen und Unterdrückten wie ein roter Faden durch die Bibel.[8]

Entscheidend dafür, wie wir Armut begegnen, ist, wie wir sie verstehen. Im globalen Diskurs wird Armut häufig primär ökonomisch definiert, etwa durch die Armutsgrenze (weniger als 3 USD täglich) der Weltbank. Doch, ohne die dramatische Realität materieller Armut weltweit zu relativieren, greift diese Sicht zu kurz. Schon Aristoteles hielt fest: «Reichtum ist gewiss nicht das gesuchte oberste Gut. Er ist nur ein Nutzwert: Mittel für andere Zwecke[9] Ansätze wie der Multidimensionale Armutsindex (MPI) anerkennen indessen, dass Armut komplexer ist. In westlichen Gesellschaften zeigt sie sich oft in Isolation, Sinnverlust und zerbrochenen Beziehungen.

Diese Konferenz lädt dazu ein, genau hinzuschauen: Wir wollen auf die Bedürfnisse von Menschen in holistischer Weise reagieren inklusive ökonomisch, emotional, geistlich und physisch. Also in ganzheitlicher Art und Weise. Gemeinsam fragen wir: Wie können wir heute wirksam auf Armut reagieren? Was hilft Menschen wirklich, aus Armut herauszufinden? Wer trägt Verantwortung? Wie können wir Vorurteile abbauen? Und wie können wir in einer komplexen Welt verantwortungsvoll handeln: für mehr Gerechtigkeit und Leben in Fülle für alle?

 


 

Quellen:

[1] Peter Singer, «Famine, Affluence and Morality», in: Philosophy & Public Affairs 1, Nr. 3 (Frühling 1972), S. 229–243, hier S. 229, URL: https://www.jstor.org/stable/2265052, abgerufen am 05.05.2026.

[2] Vereinte Nationen, The United Nations Sustainable Development Summit: 17 Goals to Transform Our World, URL: https://www.youtube.com/watch?v=89tInECFdQ4&t=19s, abgerufen am 05.05.2026.

[3] Vereinte Nationen, SDG Indicators Report 2025 – Goal 1: No Poverty, URL: https://unstats.un.org/sdgs/report/2025/Goal-01/, abgerufen am 05.05.2026.

[4] Kristina Lanz, «Politik der starken Männer auf Kosten der Schwächsten», in: Alliance Sud, URL: https://www.alliancesud.ch/fr/rearmement-au-lieu-de-developpement-politique-au-detriment-des-plus-faibles, abgerufen am 23.02.2026.

[5] Salomé Richir-Haldenmann, «Die Aufstockung der Verteidigungsbudgets ist ein Vorbote des Krieges, nicht des Friedens», in: StopArmut, URL: https://stoparmut.ch/die-aufstockung-der-verteidigungsbudgets-ist-ein-vorbote-des-krieges-nicht-des-friedens/, abgerufen am 05.05.2026.

[6] Tearfund, Understanding Poverty – Restoring Broken Relationships, 2019, S. 8.

[7] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort «arm», URL: https://www.dwds.de/wb/arm, abgerufen am 02.04.2026.

[8] Tearfund, Understanding Poverty – Restoring Broken Relationships, 2019, S. 6–7.

[9] Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch I, 1096a9.

Programm

Vormittag

08:30  Türöffnung, Kaffee

09:30 Uhr Konferenzstart + Plenum 1

  • Grusswort 
  • TED-Talks 1-4

10:50 Uhr Pause, Tischmesse

11:20 Uhr Workshopsession 1

12:20 Uhr Mittagessen, Tischmesse

Nachmittag

13:30 Uhr Start Nachmittagsprogramm + Plenum 2

  • Konzert Surprise Strassenchor
  • TED-Talks 5-7

14:35 Uhr Pause, Tischmesse

15:05 Uhr   Workshopsession 2

16:05 Uhr Plenum 3

  • Wrap-Up 
  • Abschluss

16:45 Uhr Ende

TED-Talks

Globale Armut in Zahlen: Fortschritte und verbleibende Herausforderungen 

Deborah Kistler: Geschäftsführerin Center for Economic Development an der Universität Zürich

Gut gemeint ist nicht genug. Wie wir lernen, Hilfe neu zu denken.

Karin Lehmann: Verantwortliche Partnerschaften & Philanthropie bei Morija

Der schlaue Samariter: Wie wir alle mit klugen Strategien Grosses bewirken können

Dominic Roser: Arbeitet an der Uni Fribourg zu Umweltgerechtigkeit, Wirtschaftswachstum und KI-Ethik, Ko-Autor des neu erschienen Buchs «All the Lives You Can Change»

Die Basler 1%-Initiative gegen globale Armut

Christoph Hochuli: EVP Grossrat Basel-Stadt

Jesus und die Armen

Manuel Rapold: Mitglied der Geschäftsleitung von Campus für Christus, Leitung des Westschweizer Zweigs, Autor des Buches „Que le pauvre dise, je suis riche“, Referent an Schulungskonferenzen für Studierende und Pastoren zum Thema Armut in mehreren Ländern Afrikas

Die sind ja selber schuld!

Markus Christen: Seit Jahren bei Surprise für Armutsbetroffene engagiert

Was wir nicht sehen wollen – Verwahrlosung suchtmittelkranker Menschen am Rand der Gesellschaft. Ansätze zur Bewältigung einer gesellschaftlichen Herausforderung.

Peter B. Bosshart: Geschäftsführer ELIM – Die Diakonische Stadtarbeit in Basel

Ladina Spiess (Moderatorin)

ModeratorinFreischaffende Moderatorin, Schulungsleiterin und Texterin, davor 15 Jahre bei Radio SRF1.

Special Act: Konzert vom Surprise Strassenchor

Workshop Beschriebe

Mitgefühl statt Ohnmacht: Wie wir trotz eigener Sorgen für eine bessere Welt kämpfen.

Leitung: Victoria Engeler: Öffentlichkeitsarbeit & Digitale Kanäle bei ena, Verantwortliche «Nacht ohne Dach»

Beschrieb: Wie können wir in einer Zeit von Zukunfts- und Finanzängsten den Blick über die eigenen Sorgen hinaus richten? Gemeinsam entdecken wir, wie die Realität globaler Armut aus der Perspektive von Nächstenliebe und Mitgefühl zu einem befreienden Perspektivenwechsel einlädt – und wie ein bewusster Umgang mit Konsum Hoffnung und Veränderung ermöglichen kann.

Der schlaue Samariter: Wie wir alle mit klugen Strategien Grosses bewirken können.

Leitung: Dr. Dominic Roser: Lehr- und Forschungsrat am Interdisziplinären Institut für Ethik und Menschenrechte der Universität Freiburg (CH), Autor des Buches «All the Lives you can change»

Beschrieb: Wie oft hören wir: „Mein Handeln ist doch bloss ein Tropfen auf den heissen Stein.“ Doch das muss nicht sein! Sorgfältig eingesetzt kann unser Beitrag – egal ob in Form von Zeit, Geld, Aufmerksamkeit oder Politik – Grosses erreichen. Gemeinsam schauen wir sieben Tipps & Tricks an, um aus gegebenem Einsatz möglichst viel für die Menschen in Armut herauszuholen.

Die unbequemen Fragen der Entwicklungszusammenarbeit: Ein offenes Gespräch über Wirkung, Macht, Armut und die Zukunft der internationalen Zusammenarbeit.

Leitung: Matthieu Dobler-Paganoni: Geschäftsführer Interaction, in Zusammenarbeit mit Interaction-Mitgliedsorganisationen

Das Evangelium ist eine gute Nachricht für die Armen

Leitung: Manuel Rapold: Mitglied der Geschäftsleitung von Campus für Christus, Leitung des Westschweizer Zweigs, Autor des Buches „Que le pauvre dise, je suis riche“, Referent an Schulungskonferenzen für Studierende und Pastoren zum Thema Armut in mehreren Ländern Afrikas

Beschrieb: Marginalisierte und arme Menschen standen im Zentrum von Jesu Wirken. Seine Botschaft und sein Handeln galten ihnen in besonderer Weise. Was bedeutet das für unser Verständnis von Armut und für die Rolle von Kirchen und Gemeinden heute? Gemeinsam entdecken wir, wie Jesu Perspektive unser Denken herausfordert und unseren Einsatz für Menschen in Armut prägen kann.

Wie lanciere ich einen politischen Vorstoss? Politische Hebel im Kampf gegen Armut

Leitung: Christoph Hochuli: EVP Grossrat Basel-Stadt

Der Beitrag der Forschung zur Armutsbekämpfung: Evidenz aus einem konkreten Beispiel

Leitung: Deborah Kistler: Geschäftsführerin Center for Economic Development an der Universität Zürich  

Beschrieb: Welchen Beitrag kann die Wissenschaft zur Armutsbekämpfung leisten? Anhand eines konkreten Praxisbeispiels wird aufgezeigt, wie Forschung und Organisationen zusammenarbeiten, um Armut besser zu verstehen und wirksame Lösungen zu entwickeln.

Geld und Gottes Plan: Jesu Liebe reflektieren

Leitung: Horst Reiser: Campus für Christus Schweiz, Partner Development Experte für 42 Ministries in Europa

Beschrieb: Wie reflektieren wir Jesus in dieser Welt, wenn es um Geld geht? Und wie mit Geld, wenn es um die Ärmsten geht? Machen Christinnen und Christen überhaupt einen Unterschied?

Grundlagen zu Besitz, Teilen und Grosszügigkeit. Lass dich von neuen Ansätzen zur finanziellen Freiheit inspirieren.

Trägerorganisationen

Morija Logo

Konferenzort

Adresse

Zwinglihaus Basel
Gundeldingerstrasse 370
4053 Basel

Anreise per ÖV oder zu Fuss vom Bahnhof Basel SBB

Wir empfehlen die Anreise per ÖV.  Ums Konferenzgebäude herum gibt es kostenpflichtige Parkplätze in verschiedenen Parkhäusern. 

Sponsoring + Partnerschaften

Goldsponsoring

Silbersponsoring

Bronzesponsoring

Medienpartnerschaften 

Aussteller:in an der Konferenz: Mehr Sichtbarkeit für deine Organisation

Sei mit einem Ausstellungsstand direkt im Konferenzgebäude gleich neben dem Plenum präsent und nutze die Chance, eure Arbeit einem interessierten und wertebewussten Publikum vorzustellen!
 

Informationen und Anmeldung Markt der Möglichkeiten

 

Anmeldung zur Konferenz

Medienberichte

Radio Life Channel vom 24. Juli 2026: 

Arme Welt – Wie weiter?  StopArmut-Konferenz 2026

Die internationale Gemeinschaft wollte die extreme Armut bis 2030 beenden. Nach deutlichen Fortschritten seit 1990 haben jedoch Pandemie, Inflation und bewaffnete Konflikte die Entwicklung gebremst.

Jetzt hören

Christnet vom 28. Juni 2026: 

Thema der StopArmut-Konferenz 2026: «Arme Welt – Wie weiter?»

Im Jahr 2015 verabschiedeten 193 Staaten gemeinsam die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Im Zentrum steht SDG 1: Keine Armut, mit dem ambitionierten Ziel, Armut in all ihren Formen weltweit zu beenden – bis 2030. Heute stellt sich die Frage: Was ist aus diesem gemeinsamen Aufbruch gegen die Armut geworden? Was bedeutet es, in einer zunehmend komplexen und unsicheren Welt verantwortungsvoll zu handeln, für eine gerechtere Zukunft für alle?

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Du willst die Referate der Keynotes nochmals in Ruhe nachhören? Die Aufzeichnungen der Konferenz findest du unter folgendem Link.

Videos der Konferenz: Youtube StopArmut

Kontaktperson StopArmut Konferenz:

Anja Eschbach

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