Entwicklungsorganisationen fordern mehr Solidarität

Der Bundesrat will den Wiederaufbau der Ukraine auf Kosten der ärmsten Länder unterstützen, obwohl zahlreiche Expert:innen, Kantone und Parteien eine zusätzliche Finanzierung verlangen. Eine breite zivilgesellschaftliche Kampagne, die heute lanciert wird, fordert eine Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit. Interaction ist offiziell eine der unterstützenden Organisationen.

SHARE
Solidaritaet_AllianceSud
|
5 Dezember 2023
|
Beten, Geben, Leben

Eine Analyse der Vernehmlassungsantworten zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit (IZA) 2025-2028 zeigt, dass die vom Bundesrat vorgeschlagene Mittelzuweisung von 1,5 Milliarden Franken für die Ukraine aus dem IZA-Budget keine Unterstützung findet. 93% derjenigen, die sich zur Ukraine-Finanzierung geäussert haben, schreiben explizit, dass die Ukraine-Hilfe aus zusätzlichen Mitteln und ausserhalb der IZA finanziert werden muss. Darunter sind 5 von 7 Parteien und 9 von 11 Kantonen. Ebenso sprach sich die beratende Kommission für internationale Zusammenarbeit des Bundesrats dafür aus. Ein Festhalten an den 1,5 Milliarden aus dem IZA-Budget käme somit einer völligen Missachtung der Vernehmlassung gleich.

Zu diesem Schluss kam auch die Finanzkommission des Nationalrats. Sie empfiehlt ihrem Rat die Schaffung eines Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine. Der zur Verfügung gestellte Betrag soll ausserordentlich und nicht zu Lasten des ordentlichen Budgets der internationalen Zusammenarbeit verbucht werden. Die Finanzkommission hat die Zeichen der Zeit korrekt gelesen und greift zu den notwendigen Instrumenten. Es ist unumstritten, dass der Wiederaufbau der Ukraine umfassende Mittel benötigen wird und dafür die Solidarität der internationalen Staatengemeinschaft gefragt ist. Auch die Schweiz muss einen substanziellen finanziellen Beitrag zum Wiederaufbau der Ukraine leisten, dies darf aber nicht auf Kosten der ärmsten Länder gehen.

#MehrSolidaritätJetzt
«Covid – Klima – Krieg: Und der Bundesrat presst die Zitrone aus. In der Polykrise darf nicht bei den Ärmsten gespart werden. Die Ukraine muss zusätzlich zur Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden», sagt Andreas Missbach, Geschäftsleiter von Alliance Sud. Deshalb lanciert eine breite Allianz zivilgesellschaftlicher Organisationen und Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft eine Kampagne für eine starke Entwicklungszusammenarbeit.

Die Bevölkerung ist dabei aufgerufen, mit einer persönlichen Botschaft auf den Sozialen Medien Farbe zu bekennen. Es braucht jetzt mehr Solidarität mit den vielen Menschen, die in extremer Armut leben und Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Die Schweiz muss endlich das von ihr mitgetragene UNO-Ziel erfüllen und 0.7% des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit einsetzen. Nach den Plänen des Bundesrates sinkt diese Quote auf beschä-mende 0.36% Prozent.

Weitere Informationen:
Andreas Missbach, Geschäftsleiter Alliance Sud, Tel. 031 390 93 30
andreas.missbach@alliancesud.ch

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden

ähnliche Beiträge

MM_StopArmut Konferenz

Trotz globaler Bemühungen lebt weltweit immer noch jeder zehnte Mensch in extremer Armut – 826 Millionen Menschen mit weniger als 3 US-Dollar pro Tag.

17 September 2026
Myanmar-2

Wenn man in Yangon ankommt, hat man das Gefühl, in einer ganz normalen Grossstadt gelandet zu sein: Die Strassen sind voller Menschen, geschäftiges Treiben in den Läden und der gewohnt dichte Verkehr einer südostasiatischen Metropole branden um einen herum. Wenn man aus dem Fenster seines Taxis schaut, würde man kaum vermuten, dass bewaffnete Konflikte Myanmar seit Jahren erschüttern.

14 September 2026
Schöpfungsinitiative

Die reformierte Kirche wird immer demokratischer. Neben der Wahl der Behörden und Pfarrpersonen gibt es nun sogar eine Volksabstimmung. Am 27.September bekommen alle über sechzehnjährigen Reformierten im Kanton Zürich die Möglichkeit über den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative abzustimmen. Ein absolutes Novum – denn seit Zwinglis Zeiten ist es die erste Initiative, welche in der Zürcher Kirche zu einer Volksabstimmung wird.

14 August 2026
Melde dich für unseren Newsletter an